Berufsfeuerwehr München: Rettungsdienstausbildung mit Videoanalyse

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Der Fachbereich Rettungsmedizin der Berufsfeuerwehr München (Bayern) hat eine neue Video- und Tonanlage für die Ausbildung beschafft.

Der aktuelle Rettungsassistenten-Kurs hat die Anlage jetzt erstmals getestet. Der Mehrwert zu der bisherigen Ausstattung ist beachtlich. „Es ist der richtige Schritt gewesen, um die Qualität unserer Ausbildung zu verbessern und auch in Zukunft zu halten“, sind sich die Ausbilder auf der Wache 6 in Pasing einig.

28 Feuerwehrmänner durchlaufen zurzeit die Ausbildung zum Rettungsassistenten. Die ersten Wochen sind um, und es folgen die ersten praktischen Übungen an dem Patientensimulator – vor drei neuen Kameras und den kritischen Blicken aller Teilnehmer.

Die menschengroße Übungspuppe liegt in einer Blutlache aus rotem Plastik auf dem nackten Boden. Vor der Tür weist Ausbilder Andreas Tretschok das Team – drei angehende Rettungsassistenten – ein: „Der Mann ist von der Rolltreppe gestürzt und unten leblos liegen geblieben.“

Gespräche werden aufgezeichnet

Erstmals geht es für diese drei Kursteilnehmer nach der Theorie um eine praktische Trauma-Versorgung. Schnell sind die drei bei ihrem Patienten, sprechen ihn an und nachdem sie keine Rückmeldung bekommen, beginnen sie mit der Erstversorgung sowie der genaueren Untersuchung des Verunglückten. Wo sind offene Wunden? Wie ist die Atmung? Wo sind weitere Prellungen? Die drei Kameras in den Ecken des Raumes nehmen dabei jede Handbewegung auf. Mikrofone an Headsets zeichnen die Gespräche ganz genau mit.

Ausbilder können Szenarien verändern

Im Nebenraum sitzen die Ausbilder. Sie spielen die Vital-Werte des Patientensimulators auf den Monitor im Patientenraum, um das Team mit allen wichtigen Infos zum Patienten zu versorgen. Und sie setzen während der Aufnahme Marker an den entscheidenden Stellen der Behandlung. Zum Beispiel bei guter Kommunikation, wenn ein Zugang gelegt oder der Patient beatmet wird.

Mit Hilfe dieser Marker kann man später schneller zu den wichtigen Stellen im Video springen und muss sich nicht die ganze Aufnahme ansehen. Ein großer Vorteil: „Früher mussten wir mühselig die Stellen suchen, die wir zeigen wollten“, sagt Ausbilder Michael Storz. Noch dazu war die Übertragung nach der Übung in den Lehrsaal nicht ganz einfach. Das ging nur per USB-Stick. Heute wird alles direkt in den Lehrsaal übertragen und ist dort später individuell abspielbar.

Lehrgangsteilnehmer können Rettungsteam über die Schulter schauen

Dort im Lehrsaal sitzen während der Übung auch die restlichen Lehrgangsteilnehmer und beobachten live das Geschehen am Patienten. Früher nicht denkbar: „Da standen die Teilnehmer hier eng zusammen im Flur und haben auf eine schiefe Leinwand geschaut“, sagt Michael Storz. Und das taten sie eher leise. Dagegen können sie heute schon während der Aufnahme diskutieren und untereinander die Handgriffe und Entscheidungen ihrer drei Kollegen analysieren. Dadurch gewinnt die Nachbesprechung mit dem Rettungsteam später deutlich an Qualität.

Nach gut zwölf Minuten trifft im Übungsraum endlich der Notarzt ein. Der leitende Rettungsassistent macht die Übergabe und kurz darauf bleibt der Übungssimulator als einfache Puppe auf dem Boden liegen. Die Übung ist beendet und gar nicht mal so schlecht gelaufen. Die anzuwendenden Algorithmen für die Patientenanalyse haben die drei gut umgesetzt. Und auch die Patientenübergabe ist nach dem gelernten Schema abgelaufen.

Nachbesprechung mit Videosequenzen

Mit dem zum System gehörenden Bedien-Tablet wird der Einsatz noch mal auf der Leinwand gezeigt und mit Hilfe der gesetzten Marker an den wichtigen Stellen nachbesprochen. Dabei können die Ausbilder die Leinwand in vier Kameraperspektiven aufteilen. Drei Videos kommen von den installierten Kameras im Raum, das vierte Video zeigt den Monitor mit den eingespielten Vital-Werten des Patienten. Bei Bedarf kann man in eine Bild-in-Bild-Ansicht wechseln. Das eingeklinkte Video ist dann immer der Patientenmonitor. So hat man immer eine gute Übersicht über die handelnden Rettungsassistenten und die sich verändernden Werte des Patienten. Dazu läuft in der rechten Ecke des Videos immer auch die Zeit mit. Gerade für das Team aus dem Übungssaal ist das wichtig. Denn während sie den Patienten behandeln, ist Zeit ein schwer einzuschätzender Faktor.

Perspektiven sind änderbar

Die drei installierten Kameras können im Raum gegebenenfalls noch an anderen Stellen montiert werden, um je nach Bedarf andere Perspektiven zu ermöglichen. Das ehemals von der Decke hängende Mikrofon hat man beim neuen System durch die fünf Headsets ersetzt. Die Tonqualität hat sich dadurch erheblich verbessert.

Beamer soll weitere Stressfaktoren einspielen

„Mit diesem System sind wir technisch auf einem richtig guten Stand“, sagt Thomas Huppertz, stellvertretender Fachbereichsleiter. Und in naher Zukunft wird es noch besser: Über einen Ultrakurzdistanz-Beamer kann noch zusätzlich im Übungsraum ein Bild an die Wand projiziert werden. „Damit können wir weitere Störbeziehungsweise Stressfaktoren wie eine laute Straße oder eine U-Bahnstation simulieren“, erklärt Michael Storz. Die Schule für Rettungsmedizin der Branddirektion entwickelt sich mit dieser Video- und Audioanlage langsam aber sicher zu einem kleinen Simulationszentrum – für eine zeitgemäße Ausbildung im Rettungswesen ist das unerlässlich.

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