Heute möchte ich eine Taktik aus den USA vorstellen, die sich Vent Enter Search nennt. Mir geht es jetzt nicht darum, dieses Vorgehen auch auf das deutsche Feuerwehrwesen zu übertragen sondern lediglich eine bestimmte Taktik aus dem Ausland vorzustellen. Es soll Euch helfen andere Systeme besser zu verstehen und unter Umständen auch Ansatzpunkte geben, die man bei sich selbst verbessern kann.
Vent Enter Search ist ein Vorgehen, bei dem unter hohem Risiko nach Personen in brennenden Gebäuden gesucht wird. Bevor wir uns aber diese Taktik genauer anschauen, möchte ich kurz auf ein paar Rahmenbedingungen im US Feuerwehrwesen eingehen. Dies ist wichtig, um das Vorgehen besser einschätzen zu können. Schaut man sich Hausbrände in den USA an, so stellt man schnell fest, dass diese meist intensiver und schneller sind, als hier in Deutschland. Grund ist die Bauweise der Wohnhäuser, die oftmals, selbst bei mehrstöckigen Häusern, aus Holz besteht. Darüber hinaus wird in den USA oftmals mit weniger Personal gearbeitet als hier in Deutschland. Die Besatzung auf einem Löschfahrzeug sind teilweise nur vier Mann und die Einheiten werden bei einem Einsatz aus mehreren Miniwachen zusammen gewürfelt. Somit kann es sein, dass man zu einem massiven Gebäudebrand mit Menschen in Gefahr kommt und erst Mal mit vier Leuten auskommen muss. Hinzu kommt, dass jährlich knapp 3.100 Brandtote in den USA zu beklagen sind, ein großer Anteil davon in Privatwohnungen.
Der Grundsatz von Vent Enter Search (VES) ist nun, dass mit den vier Einsatzkräften möglichst effizient die Personensuche durchgeführt wird. Aus diesem Grund wird die Mannschaft in zwei Trupps geteilt. Ein Trupp geht mit einem Strahlrohr über die Wohnungseingangstür zur Personensuche und Brandbekämpfung vor, der zweite Trupp wendet die VES Taktik an.
Vent (Ventilation)
Der Trupp schaut sich das Gebäude an, und legt fest welches Zimmer von außen durchsucht werden soll. Grundsätzlich wird das Zimmer gewählt, mit der höchsten Wahrscheinlichkeit von überlegenden Personen und der stärksten Gefährdung. In der Regel also das Zimmer, das ein Schlafzimmer ist und die intensivste Rauchentwicklung hat. Da die Schlafzimmer in den USA häufig im 1. Obergeschoß sind, geht man über tragbare Leitern vor. Nun wird entweder mit der Leiter selbst oder einem Art Einreißhaken (Hook) das Fenster eingeschlagen. Womit der erste Part von VES abgeschlossen ist, denn mit dem Einschlagen des Fensters möchte man die Belüftung (= Vent) des Zimmers verbessern.
Enter (Eindringen)
Als nächstes geht der Trupp in das Zimmer vor. Da aus Sich der VES Befürworter der Faktor Zeit extrem wichtig ist, wird auf ein Strahlrohr verzichtet. Beide Firefighter gehen auf die Leiter und einer dringt durch das eingeschlagene Fenster in das Zimmer ein. Der zweite Mann bleibt direkt vor dem Fenster und dient als Kontakt- / Unterstützungsperson für den suchenden Feuerwehrler. Dieser geht im Zimmer zuerst Richtung Tür, checkt kurz die Bedingungen vor der Zimmertür und schließt diese. Somit reduziert er die Gefahr vor Rauchgase und Flammen für sich und das mögliche Opfer.
Search (Personensuche)
Als letzter Schritt wird der Raum nach Personen abgesucht. Wird jemand gefunden wird dieser über die tragbare Leiter gerettet, ist die Suche erfolglos, verlässt der Firefighter den Raum wieder übers Fenster und der Trupp geht von außen zum nächsten Fenster um wieder die Vent Enter Search Taktik durchzuführen.
Durch dieses Vorgehen möchte man massiv Zeit sparen, denn anstatt über des Ergdeschoss an den Flammen vorbei ins erste Obergeschoss vozudringen, wählt man den direkten Weg von außen übers Fenster.
Auf Deutschland anwendbar?
Wenn man das so liest, ist das alles nach deutschen Maßstäben erst Mal nicht vorstellbar. Zu viert auf dem Fahrzeug? Ins brennenden Gebäude ohne Wasser am Rohr? Innenangriff ohne Sicherheitstrupp? Trotzdem gibt es den einen oder anderen Ansatzpunkt den ich gut finde und den man auch bei uns durchführen kann. Ob ich jetzt vier Einsatzkräfte, ne Staffel oder einen Löschzug im Erstschlag habe, Schwerpunkt der Maßnahmen sollte bei Feuer mit Menschenleben in Gefahr die Personensuche bzw. ein kombinierter Angriff sein. Gegebenenfalls reicht es hier aus, dass Feuer nur Niederzuschlagen bzw. in Schach zu halten um schnellstmöglich die Personenrettung einzuleiten. Oft sind wir nämlich vom Feuer so beeindruckt, dass man sich erst Mal aufs Löschen konzentriert. Ein zweiter Punkt ist der alternative Angriffsweg. Häufig kann man bei kleineren Objekten sehen, dass alle Trupps durch denselben Zugang ins Gebäude vorgehen. Hier kann es unter Umständen Sinn machen, einen zweiten Angriffsweg zu weählen. Wichtig ist hier natürlich eine enge Kommunikation der vorgehenden Trupps, vor allem was den Einsatz des Lüfters und der Strahlrohre angeht. Letztendlich ist es auch wichtig die Prioritäten bei der Personensuche richtig zu setzen. Wurde der Wohnungsbesitzer und Nachbarn gefragt ob und wo sich Bewohner aufhalten können? Zudem sollte auch kritisch überlegt werden ob eine Suche in bestimmten Bereichen überhaupt noch von Erfolg gekrönt ist. Wenn eine Person gesehen wurde und jetzt das Zimmer im Vollbrand steht, so braucht man jetzt die Suchbemühungen nicht mehr auf dieses Zimmer zu konzentrierten, sondern lieber Bereiche mit einer realistischen Überlebenswahrscheinlichkeit absuchen.
Aus meiner Sicht ist Vent Enter Search, unter den Voraussetzungen die in den USA herrschen, eine legitime Einsatzoption. Auf Deutschland ist sie so nicht anwendbar, da wir erfreulicherweise andere Voraussetzungen haben und das Risiko nicht vertretbar ist. Wie seht Ihr aber das Ganze aus Sicht der USA? Sollte man das Vorgehen so machen?